Kritische Psychotherapie

…ist als Psychotherapie nicht nur Heilkunde in einem kommunikativen Schutzraum. Sie ist auch wissenschafliche Gesellschaftsanalyse und soll interdisziplinär zum Verständnis kollektiver Stressbedingungen beitragen. Dieser Ansatz hat mich seit meiner psychoanalytischen Weiterbildung in den 1980er-Jahren bei Professor Pohlen in Marburg begleitet http://www.manfred-pohlen. 2018-2021 wurde dies weitergeführt in einem Buchprojekt mit 20 Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen (Kritische Psychotherapie – Interdisziplinäre Analysen einer leidenden Gesellschaft).

Leitfragen: Warum wird unsere Gesellschaft trotz wachsenden durchschnittlichen Wohlstands in allen Altersklassen immer kränker („Diagnose“)? Welche Bedingungen sind hier entscheidend („toxisch“) und sollten in einer positiven Entwicklung eine besondere Rolle spielen („Therapie“)? Warum wird seit 50 Jahren erfolglos ein gesünderes Gesundheitswesen und eine humane statt technokratische Wissenschaft eingefordert aber nicht umgesetzt? Wer profitiert von permanenten Krisen in einem anwachsenden kollektiven Trauma? Befunde und Antworten werden aus den Bereichen Pädagogik, Soziologie, Philosophie, Ökonomie, Politik, Medizin, Psychotherapie, Wissenschaft, Psychoanalyse, Theologie zusammengetragen und gebündelt.

Ökonomischer Steigerungszwang (Geldsystem), Expansion und Zentralisierung von Politik- und Finanzsektor (Wertabschöpfung, Schuldenfalle), strukturelle Zersetzung durch Souveränitätsverlust, verantwortungslose Migrationspolitik, Auslieferung von Wissenschaft/Schulen und Gesundheitssystem an ökonomische und politische „Zwänge“ (Big Business, Big Government), Verdrängung von Psychoanalyse und Hermeneutik aus den Universitäten, forcierte Digitalisierung und Kontrolle, Erosion des Mittelstands durch digitale Plattformökonomie, wachsender Erwerbsdruck auf Familien (prekäre Arbeitsverhältnisse, steil steigende Abgabenlast, Inflation/Enteignung), schwindende Resonanz in Bindungen mit zunehmender Isolation (‚asoziale’ Medien), Verlust von Spiritualität und innerer Beziehung zu Körper, Natur und Ökosystem, Fragmentierung der Familien, feindselige Ideologisierung der Geschlechterbeziehung.

Abnehmende Kindergesundheit und zunehmende soziale Spaltung/Isolierung/Desintegration spielen hier als Indikatoren für zukünftige kollektive Gesundheit eine zentrale Rolle. Insofern beschreibt dieser Band nicht nur Symptome, sondern erfasst auch die kollektiven Bedingungen verselbstständigter Führung, eines sich vom Bürger abkoppelnden politischen Systems und eines unsichtbaren wirtschaftlichen Lobbyismus (digital-finanzieller, medialer, militärischer und pharmakologischer Komplex), auch mit den Folgen für Wissenschaft und Gesundheitssystem. Krisen werden autoritär genutzt für eine Transformation von oben (Machtanmassung). Für Machtanmassung von oben gibt es viele historische Beispiele -aktuell mit einem transnationalen Führungsanspruch. Sie sind alle krachend gescheitert am Freiheitsdrang der Menschen.

Was sind positive Ziele?

Abschaffung des Steigerungszwanges, Machtbegrenzung in Staat und Ökonomie, Politikerhaftung analog zu allen anderen Berufen, Stärkung der Resonanz und Selbstbestimmung in Politik und sozialer Teilhabe an Bildung und Kultur, Begrenzung digitaler Medien in Schule und Erziehung, Stärkung eines humanwissenschaftlichen Verständnisses in Medizin, Psychotherapie, Erziehung durch wertschätzende stabile Bindung, Zugang zu fundamentalen Kraftquellen der Verbundenheit (‚Urgrund‘, Natur, Spiritualität, Kreativität: Musik, Kunst). Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Evidenzen führt uns raus aus ideologischer Einengung und rein in eine Verbindung politischer Positionen ohne Klassenkampfideologie, aber machtsensibel und an Resonanz und Selbstbestimmung orientiert. Integrationsbereitschaft und Freiheit (Liberalität) sind die Kernstichworte für eine Heilung der Gesellschaft von unten. Dazu gehört auch eine integrierte Medizin der Zuwendung, die Körper Geist und Seele in innerer Beziehung erkennen kann. Dazu gehört eine integrierte Psychotherapie, die die Methoden auf psychodynamischer und humanistischer Grundlage zusammenführt, anstatt weiter Konkurrenz und Konformismus im Kampf ums Geld zu bedienen. Dazu gehört das freie Ausbalancieren unterschiedlicher politischer Richtungen im Interesse wachsender Selbstbestimmung (direkte Demokratie = repäsentativ + direkt, Liberalismus von unten = Marktwirtschaft ohne Kartelle). Dies kann uns aus den kollektiven Krisen herausführen.

Konstruktive und destruktive Resonanz

Der Band ist sowohl im Inland wie im Ausland auf positive Resonanz gestoßen (s. Rezensionen) und hat Kontroversen aufgegriffen. Von toxischer Bedeutung für die Kommunikationskultur war jedoch der Frontalangriff der radikal-marxistischen Webseite „Kritische Psychotherapie Köln/Bonn“ (Stefan Meretz Köln oder Eric Petter Berlin) auf mich als Herausgeber und die im Hintergrund bereits laufenden Angriffe auf einzelne Autoren wegen ihrer wissenschaftlichen Publikationen im Bereich Biologie und Ökonomie. Wissenschaftlich sind diese Beiträge ohne jeden Wert, sollen aber medial eine spaltende und verleumdende Wirkung entfalten („Gesinnungs-TÜV“) ohne eigene Grundannahmen zu reflektieren.

Der Marxismus hat das historische Verdienst die politische Ökonomie mitbegründet zu haben, hat vor Allem politisch gewirkt und ist wissenschaftlich -philosophisch wie ökonomisch- überholt, was bis heute innerhalb der sog. „kritischen“ Szene überwiegend ignoriert wird. Der sinnvolle Kern dieser Bewegung besteht in einer Skepsis und Ablehnung gegenüber jeder feudalen Machtkonzentration; sei es im ökonomischen, politischen oder kirchlichen Bereich. Diesem Ansatz ist unser Band verbunden, führt uns aber in ein fundamentales Verständnis des Liberalismus als der wichtigsten Befreiungsbewegung der Bürger im 17. und 18. Jahrhundert. Der heutige Radikalmarxismus und auch der Linksextremismus lassen sich dahingehend abgrenzen, dass sowohl die freie Marktwirtschaft als auch Familie, Geschlecht, Religion als Felder der kapitalistischen und patriarchalen Ausbeutung „an der Wurzel“ -von unten- bekämpft werden: ein Kampf gegen Bürger statt gegen Feudalstrukturen und Machtmissbrauch. Dazu gehört auch der Frontalangriff auf alles nicht-Radikale wie zum Beispiel unseren Band. Schon der Titel „kritische Psychotherapie“ wird von Marxistischen Gruppen, die den Kritik-Begriff exklusiv beanspruchen- als Provokation und Verwässerung der eigenen Radikalität angesehen, so als wolle man die Ausbeutung der Menschen nicht abschaffen sondern perfektionieren und somit nur bürgerliche Pseudokritik abliefern. Solchen Angriffen war schon Manfred Pohlen in den 1980ern ausgesetzt und ist bis heute ein Mittel linksextremer Propaganda in EU und US. Im Medizin- und Psychologie-Mainstream ist daher das kritische Potential durch Selbstzersetzung und mangelnde Selbstreflektion der eigenen Gewaltaspekte zum Erliegen gekommen – wie man dies auch in der Coronakrise gesehen hat. Gewalt beginnt schon im Kopf als ideologische mentale Verhärtung und Feindbild („Covidioten“) mit anklagender Sündenbock-Haltung. Und der inquisitorisch verhärtete Kampf „gegen rechts“ ist ein Feindbild sowohl linksgrüner als auch globalistischer Ideologen mit ihrer Agenda 2030 (UN, NATO, WEF), die ihre eigene immense Gewalttendenz -somit ihre verdrängten Täteranteile- verleugnen müssen; auch als Basis zur Rechtfertigung eigener Gewalt als Schutz- und Rettung – letztlich der ganzen Welt. Zwang, Gewalt und Waffen sind „lebensrettend“.

Meinungsfreiheit = Recht auf Verleumdung? Ich als Herausgeber und einzelne Autoren werden von „kritischen“ Webseiten –verantwortet vom Werkstoffingenieur und antiliberalen Marxisten Stefan Meretz (Köln) oder Eric Petter (Berlin) -als „antisemitisch“ „rechtsradikal“ oder „rechtsaussen“ bezeichnet – hasserfüllt und boshaft, vergleichbar zur Parteipropaganda gegen Abweichler auf Bundesebene und völlig an den realen Inhalten vorbei. Die Nähe zum Rechtextremismus wird an Ergebnissen der Genderforschung, an den toxischen Folgen des Transkultes oder Digitalkultes für Kinder oder an der erzwungenen Migration aufgrund mangelnder Perspektiven im eigenen Land festgemacht – eine klischeehafte und bösartige Überinterpretation nach dem Motto: „Jeder der gerne Wagner-Opern hört oder unangenehme Wahrheiten ausspricht ist ein Nazi“. Jeder mit minimalem Geschichtswissen weiß, dass diese Zuschreibungen hochgradig toxisch sind und die strafrechtliche Relevanz der §183-185 StGB berühren (Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung mit Prangerwirkung), solange der Nachweis eines geschlossenen rechtsradikalen und antidemokratischen Weltbildes nicht erbracht wird. Ich halte je nach Politikbereich linke, liberale oder konservative Interessen in einer lebendigen Demokratie für völlig legitim, solange sie auf Logik, Evidenz und Empathie gründen und keine Vorurteile bedienen (eine liberale Grundüberzeugung). – Ich hatte den Hogrefe Verlag informiert und aufgefordert sofort zu handeln, was dieser verweigert hat („eine Durchsetzung ist schwierig“). Stattdessen war man eiligst darum bemüht den Verlag selbst aus der Schusslinie zu nehmen und eine als rechtsradikal gebrandmarkte Coverabildung schnell aus dem Netz zu entfernen: eine illoyale Kapitulation und verlegerischer, intellektueller wie moralischer Offenbarungseid. Meine Klage gegen die linksextreme Meretz-Verleumdung wurde ohne sachliche Prüfung sowohl vom Landgericht als auch vom Oberlandesgericht 2022 als „nicht aussichtsreich“ bezeichnet. Es hieß von richterlicher Seite, man sehe das Problem, könne es aber aus Gründen der Meinungsfreiheit nicht lösen. Damit wird dem Extremismus und Populismus als ideologischem Boden der Gewalt und der Hassrede gegen vermeintlich faschistische Bürger Vorschub geleistet. Stefan Meretz feiert dies auf seiner Webseite als Sieg und hat direkte Dialoge abgelehnt. Der Band selbst enthält dagegen eine Populismus- und Ideologieanalyse als Element kollektiver Selbstzersetzung durch Angst und Schuld und eine notwendige Integration als Antwort. Aufklärung kann niemals hasserfüllt sein, sondern muss in einer evidenten rational begründbaren Argumentation bestehen.

In Reaktion auf diese Erfahrung bin ich nach eingehender Prüfung des Bandes 2022 in das „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ aufgenommen worden. In Umfragen unter Wissenschaftlern sind inzwischen 46,8 % der Auffassung, dass ihnen eine freie Forschung in ihrem Fachgebiet kaum noch möglich ist. Zum ersten wird immer häufiger Einfluss auf die Ergebnisse genommen und mit Entzug von Forschungsgeldern gedroht. Und zum zweiten knicken sowohl die Dekanate wie auch die rechtlichen Instanzen immer häufiger ein unter dem Einfluss medialer Verleumdung und Polarisierung als vermeintlich „öffentlicher“ Meinung. Aus dem Netzwerk der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) heißt es dazu: „Jemanden mit Etiketten wie Nazi oder Antisemit zu versehen, bringt im wissenschaftlichen Kontext nicht weiter. Die ‚Kritiker’ disqualifizieren sich selbst.“ Es sollte keine Toleranz für Hass und Hetze geben, auch nicht für linke!

Fazit

Die soziale Spaltung der Gesellschaft wird durch Angst vor Kritik und einseitige Propaganda verschärft. Rechtsstaat bedeutet, dass jemand nicht seine Freiheit zulasten Anderer ausleben kann sondern ihm die Grenzen des Rechts auferlegt sind. Wir beklagen seit Längerem die Erosion eines unter tendenziösen politischen und medialen Einflüssen stehenden Rechtsstaates und sind leider bestätigt worden. Wir stehen alle mitten in kollektiven Belastungen, die das physische, psychosoziale und geistige Immunsystem maximal herausfordern. Hier kann und sollten Medizin und Psychotherapie individuell wie kollektiv ihren Beitrag leisten, anstatt im Kampf ums Geld nur mit dem Strom zu schwimmen. Psychotherapie als Heilkunde konzentriert sich jedoch ganz auf die Interessen des Patienten und sollte frei sein von politischem oder religiösem Einfluss. Und wir brauchen ein Gesundheitssystem, dass den Patienten wieder stärkt und in den Mittelpunkt stellen kann; ohne Machtbegrenzung und Haftung für Politik und Konzerne und eine Befreiung der Wissenschaft von externen Interessen werden wir dies nicht bekommen.

(Gönnen Sie sich ggf. eine juristische Geschichtsstunde: Die große Transformation des Planeten – Vortrag von Carlos A. Gebauer 2022:https://www.youtube.com/watch?v=xPlkKxh4LNY)